Wie DIVO den Sprung zum Produkt geschafft hat
Im Jahr 2021 startete die Entwicklung von DIVO, kurz für Digitaler Vollzug. Die Grundidee war einfach, aber mit grossem Potenzial: Kann man Vollzugspläne, die bislang pro Häftling manuell in Excel erstellt und anschliessend in Word überführt wurden, in einer zentralen Fachapplikation digital abbilden?
Diese Frage bildete den Startpunkt für ein Pilotprojekt, das in enger Zusammenarbeit mit der Vollzugsbehörde entstand, und schliesslich zu einem vollwertigen Produkt wurde. Doch was genau ist ein Pilotprojekt? Und wie gelingt der Sprung in den produktiven Betrieb?
Was ist ein Pilotprojekt?
Ein Pilotprojekt ist eine zeitlich begrenzte, experimentelle Phase, in der eine Idee unter realen Bedingungen getestet wird, jedoch mit bewusst eingeschränktem Umfang. Ziel ist es, zentrale Annahmen zu überprüfen, konkrete Erfahrungen zu sammeln und Risiken frühzeitig zu erkennen.
Im Fall von DIVO bedeutete dies: Wir entwickelten einen funktionalen Prototypen, der erste Vollzugspläne digital abbilden konnte. Noch nicht alles war perfekt, aber genug, um zu erkennen, dass der Bedarf real war und die Richtung stimmte.
Schnell und zielgerichtet: Der pragmatische Start von Break
Break entschied sich bewusst für eine agile, minimalistische Herangehensweise. Der Fokus lag nicht auf Perfektion, sondern auf einem schnellen, validen Test: Was brauchen die Nutzer wirklich? Was ist "nice to have", und was ist unverzichtbar?
Durch diese Haltung konnten wir in kurzer Zeit eine funktionierende erste Version liefern, und das direkte Feedback aus dem Alltag aufnehmen. Statt theoretischer Anforderungen arbeiteten wir mit echten Fällen, echten Daten, echten Prozessen.
Darf ein Pilotprojekt produktiv genutzt werden?
Diese Frage stellt sich in vielen Organisationen, und sie ist berechtigt. Die Antwort: Ja, aber mit Augenmass.
Ein Pilotprojekt darf in gewissen Bereichen produktiv genutzt werden, solange alle Beteiligten sich der Limitationen bewusst sind. Bei DIVO war das Pilotprojekt zwar offiziell "Testbetrieb", wurde aber rasch zum zentralen Tool im Arbeitsalltag. Das brachte Vorteile, aber auch Herausforderungen: Dokumentation, Support, Sicherheit und Wartbarkeit mussten nachgezogen werden.
Vom Pilot zum Produkt: Was braucht es?
Ein Produkt ist mehr als funktionierende Software. Es braucht klare Verantwortlichkeiten, stabile Prozesse, eine durchdachte Architektur, Schulungen, Supportkonzepte und einen professionellen Betrieb.
Im Übergang von DIVO als Pilot zur Produktversion wurden genau diese Punkte angegangen:
- Die Codebasis wurde aufgeräumt und stabilisiert
- Rollen und Berechtigungen wurden verfeinert
- Schnittstellen zu Umsystemen wurden definiert
- Der Betrieb wurde professionalisiert, inklusive Hosting, Monitoring und Backup
- Die Nutzeroberfläche wurde auf Basis des gesammelten Feedbacks überarbeitet
Lessons Learned
Aus dem Projekt DIVO nehmen wir bei Break mehrere zentrale Erkenntnisse mit:
- Pilotprojekte sind kein Selbstzweck. Sie müssen gezielt geplant und mit einem klaren Zielbild versehen werden.
- Nutzerfeedback ist Gold wert. Die enge Zusammenarbeit mit den Vollzugsmitarbeitenden war entscheidend für den Erfolg.
- Agilität heisst nicht Chaos. Auch schnelle Lösungen brauchen Struktur und klare Verantwortungen.
- Ein Produkt entsteht nicht automatisch. Der Schritt vom funktionalen Prototyp zum stabilen Produkt ist oft grösser als gedacht, aber machbar, wenn man ihn bewusst gestaltet.
Fazit
DIVO zeigt, wie aus einer konkreten Alltagssituation eine digitale Lösung entstehen kann, pragmatisch, nutzerzentriert und mit einem klaren Ziel vor Augen. Der Weg vom Pilot zum Produkt war intensiv, aber lohnenswert. Heute ist DIVO mehr als ein Tool: Es ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung im öffentlichen Bereich gelingen kann.


